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DLRG Zwischenbilanz 2026 in Schleswig-Holstein:

Veröffentlicht: 06.08.2026
Autor: Ken Blöcker

Mindestens 16 Menschen ertrunken – deutlicher Anstieg zur Jahresmitte

• Nahezu doppelt so viele Todesfälle wie im Vorjahreszeitraum (9)
• Alle tödlichen Meeresunfälle in der Ostsee – kein Todesfall an der Nordsee
• Bewachte Badestellen bleiben besonders sicher – dafür braucht es Wasserflächen

Eckernförde. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hat in Schleswig-Holstein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2026 mindestens 16 tödliche Unglücke in den Gewässern verzeichnet (Stand: 31. Juli). Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es neun Todesfälle. „Zur Jahresmitte hat sich die Zahl der Ertrunkenen im Land zwischen den Meeren damit nahezu verdoppelt. Nach einem ruhigen Jahresauftakt war das seit Beginn der Badesaison eine traurige Entwicklung, die wir sehr ernst nehmen“, sagt der Landesgeschäftsführer der DLRG Schleswig-Holstein, Ken Blöcker. Er ordnet die Zahlen zugleich ein: Es handele sich um eine Zwischenbilanz, die Badesaison sei noch nicht abgeschlossen.


Anstieg vor allem in den Sommermonaten
Zu Jahresbeginn unterschieden sich die Zahlen kaum vom Vorjahr. Mit der warmen Jahreszeit häuften sich dann die tödlichen Unfälle: Im Juni ertranken vier Menschen (2025: einer), im Juli sechs (2025: zwei). „An heißen, sonnigen Tagen schnellt die Zahl der Unfälle regelmäßig nach oben. Vielen Menschen suchen Abkühlung im Wasser. Der Sprung ins noch kühle Wasser bringt gerade an solchen Tagen den Kreislauf an seine Grenzen – das unterschätzen viele“, so Blöcker.


Unfälle im Meer deutlich gestiegen
Bei den Unfallorten fällt für Schleswig-Holstein in diesem Jahr das Meer auf: Sieben der 16 Todesfälle ereigneten sich an der Küste (2025: einer), fünf an Seen (2025: einer). Hinzu kommen zwei Todesfälle an Flüssen sowie jeweils einer an einem Bach und einem Teich. Sämtliche Meeresunfälle ereigneten sich in der Ostsee – an der Nordsee gab es keinen Todesfall. Das ist keine Auffälligkeit, so Blöcker. „In der Nordsee haben wir durch die Gezeiten weniger klassisches Tiefwasser-Schwimmen mit weniger Bademöglichkeiten. An der Ostseeküste sind deutlich mehr Badezugänge, die nicht alle bewacht werden können. Zudem zeigt die Ostsee ein trügerisches Gefahrenprofil auf: Ruhig aussehendes Wasser, aber mit plötzlich tiefem Wasser, ablandiger Wind und nicht sichtbare Strömungen.“

So stark der Sprung gegenüber dem sehr niedrigen Vorjahr wirkt: Im Zehn-Jahres-Vergleich ist der Wert kein Ausreißer. „Auch 2017 zählten wir zum selben Zeitpunkt sieben Meeresunfälle, 2018 und 2019 jeweils sechs. Das relativiert das Bild, auch wenn jeder einzelne Fall einer zu viel ist“, betont Blöcker.


Mehr junge Menschen und mehr Männer unter den Opfern
Sorge bereitet der DLRG vor allem die Altersstruktur. Sechs der Todesopfer waren zwischen 11 und 30 Jahre alt – im Vorjahreszeitraum hatte es in dieser Altersgruppe keinen einzigen Todesfall gegeben. Drei weitere Opfer waren zwischen 31 und 40 Jahre alt. „2025 blieben junge Menschen bei uns nahezu verschont, in diesem Jahr sind sie deutlich häufiger betroffen. Diese Trendumkehr macht uns Sorgen“, sagt Blöcker.
Elf der 16 Todesopfer waren männlich, vier weiblich, in einem Fall ist das Geschlecht nicht bekannt. „Gerade junge Männer überschätzen im Wasser oft ihre Kräfte oder gehen bewusst ins Risiko – nicht selten unter Alkoholeinfluss. Diese Kombination endet immer wieder tödlich, dabei wären viele dieser Unfälle vermeidbar“, mahnt Blöcker. Kinder bis zehn Jahre waren – wie schon 2025 – nicht unter den Todesopfern.


Bewachte Badestellen retten Leben – dafür braucht es Wasserflächen
Für die DLRG unterstreicht die Bilanz eine ihrer zentralen Botschaften: An den bewachten Badestellen ist das Baden besonders sicher. „Unsere Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer holen Saison für Saison Menschen aus dem Wasser, die andernorts ertrunken wären. Tödliche Unfälle passieren fast immer dort, wo keine Aufsicht ist“, so Blöcker. In der Badesaison von Anfang Mai bis Ende September sind in Schleswig-Holstein über 3.500 ehrenamtliche Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer der DLRG entlang der Küste und an rund 50 Badestellen im Einsatz.
Damit dieser Schutz erhalten bleibt, brauche es jedoch ausreichend Wasserflächen – für die Badegäste ebenso wie für die Ausbildung des Nachwuchses. „Ohne Schwimmbäder und verlässliche Wasserzeiten können wir weder Kinder zu sicheren Schwimmern machen noch neue Rettungsschwimmer ausbilden. Jedes geschlossene Bad schwächt am Ende auch die Sicherheit an unseren Küsten“, warnt Blöcker. Als sicherer Schwimmer gelte ein Kind erst mit dem Deutschen Schwimmabzeichen in Bronze – nicht schon mit dem Seepferdchen.
Mit Blick auf die kommenden Sommerwochen appelliert die DLRG an alle Badegäste:
• Nur an bewachten Badestellen ins Wasser gehen und auf die Flaggenzeichen achten
• Niemals unter Alkohol- oder Drogeneinfluss schwimmen
• Nicht überhitzt ins Wasser springen – vorher langsam abkühlen
• Die eigene Leistungsfähigkeit realistisch einschätzen
• Kinder immer in Sicht- und Griffweite behalten
„Jeder einzelne Todesfall ist einer zu viel. Wenn diese Zahlen dazu beitragen, dass sich noch mehr Menschen vorsichtig verhalten, kommen wir hoffentlich gut durch den Rest der Saison“, sagt Blöcker.

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